Materialwirtschaft in Zeiten der Digitalen Transformation

Die Digitale Transformation nimmt durch das Voranschreiten der Informationstechnologie immer schneller an Fahrt auf. Durch Clouds, Online Shops, Social Media, Big Data und das Internet der Dinge verändert sich das wirtschaftliche, private und gesellschaftliche Handeln. Besonders Unternehmen werden in ihren Strategien, Strukturen, Kulturen und Prozessen immer mehr beeinflusst. Der Kunde rückt verstärkt in den Mittelpunkt des unternehmerischen Handelns. Doch diese Veränderungen beeinflussen auch kundenferne Prozesse in Unternehmen.

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Bestandsoptimierung

Durch den Kunden im Mittelpunkt, wird die Digitale Transformation oftmals nur als Veränderungs-massnahme für das Marketing oder den Vertrieb angesehen. Doch dieser Blickwinkel ist zu einseitig und vernachlässigt alle Prozesse, die vor der eigentlichen Vermarktung oder dem Verkauf eines Produktes liegen. Große Konzerne befassen sich schon lange mit der gesamten, zukünftigen Unternehmens-ausrichtung im Zeichen der Digitalen Transformation und haben verstanden, dass Produktions- und Materialflussprozesse ebenso in die Überlegungen mit einbezogen werden müssen, wie Einkauf und Controlling.

Dieses gilt auch für mittelständische und kleine Unternehmen. „Für den Kunden spielt es keine Rolle, ob er seine Ware bei einem international agierenden Konzern oder bei einem kleinen, nationalen oder gar regionalen Anbieter bestellt“, weiss Markus Renner, Geschäftsführer der Perzeptron GmbH. Renner führt weiter aus: „Der Kunde wird immer die gleichen Anforderungen an seinen Lieferanten haben: Er möchte sein bestelltes Produkt zur richtigen Zeit, in der richtigen Qualität und Quantität am richtigen Ort erhalten. Daher sollten auch mittelständische und kleine Unternehmen grundlegende Überlegungen zur Digitalen Transformation anstellen und dabei auch die kundenfernen Prozesse nicht außer Acht lassen.“

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Engpassbetrachtung

Gerade dieses stellt viele Mittelständler vor eine Herausforderung, da nur schwer einschätzbar ist, inwieweit die Digitale Transformation das eigene Unternehmen beeinflusst. Hinzu kommt, dass der Blick oftmals nur auf die kundennahen Prozesse gelegt wird und kundenferne Prozesse bei den Überlegungen vernachlässigt werden. „Und hier liegt der Fehler im Detail. Nicht der alleinige Vertriebsprozess erfüllt die Kundenbedürfnisse, sondern alle produktionsorientierten Prozesse ermöglichen erst die Kunden-zufriedenheit“, weiss Renner. Termin- und Liefertreue sind ebenso ein Bestandteil der Kunden-zufriedenheit wie die Qualität und der Preis des Endproduktes.

Daher spielt die Materialwirtschaft auch in der Digitalen Transformation eine entscheidende Rolle. Ihr kommt als Basis aller Fertigungsschritte eine fundamentale Bedeutung zu, denn eine intelligente Materialwirtschaft und die aus ihr bezogenen Informationen ermöglichen Optimierungspotentiale, um alle nachgelagerten Produktionsprozesse auf den Kundenwunsch auszurichten. Das Erheben, Analysieren und Vernetzen von Daten in der Materialwirtschaft und in den einzelnen Fertigungsschritten entscheidet sowohl über die Flexibilität als auch über die Effizienz der Produktion. Des Weiteren wird auf Grund dieser Datenverarbeitung eine Bestandoptimierung des Lagers erreicht.

Selbst einfachste Massnahmen zur Produktionsoptimierung sind nur auf der Basis zuverlässiger Zahlen aus Einkauf, Lager und Produktion umsetzbar. Dieses fängt bei der Einlagerung von Bauteilen und ihrer Entnahmen an. Nur so besteht die Möglichkeit das richtige Bauteil in der richtigen Stückzahl zum richtigen Zeitpunkt bereitzustellen und somit auch das richtige Produkt zum richtigen Lieferzeitpunkt in der richtigen Quantität für den Kunden zu produzieren. Renner bringt es auf den Punkt: „Termintreue ist in der heutigen Zeit das absolute Maß der Dinge, denn alle Unternehmen stehen in einem globalen Wettbewerb. Unternehmen sind austauschbar geworden und derjenige, der Termine nicht halten kann, gerät oftmals unter massiven Druck seines Kunden.“

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Fertigungsübersicht

Um mittels der Materialwirtschaft die Termintreue zu optimieren müssen unterschiedlichste Informationen analysiert werden. So müssen die Produktionsdaten und der Lagerbestand in Echtzeit ebenso beachtet werden, wie der Materialisierungsgrad der eingeplanten Fertigungsaufträge. Des Weiteren müssen die Vorprodukte, die sich im Zulauf befinden in die Analyse mit einbezogen werden. Liefertermine und Liefermengen aus dem Produktionsplan werden ebenso in die Materialwirtschaft beobachtet. Darüber hinaus müssen die Vorprodukte, die zu Engpässen werden, erkannt werden sowie die richtige Reihenfolge der Engpassbearbeitung beachtet werden. „Es handelt sich hier um eine Fülle von Informationen. Diese Informationen aufzubereiten und dem Unternehmen grafisch so aufzuarbeiten, dass Engpässe und Herausforderungen sofort sichtbar werden, ist ein Muss, um die Materialwirtschaft im Zeichen der Digitalen Transformation zu optimieren“, führt Renner weiter aus.

Die Perzeptron GmbH hat aus diesem Grund die Software Materialwirtschaft im Gleichgewicht (MiG) entwickelt. MiG ist ein Modul, das das schnelle und effiziente Bearbeiten von Materialengpässen innerhalb der Liefer- und Fertigungsaufträge ermöglicht. Die Software lässt sich mit geringem Aufwand an alle gängigen ERP-Systeme ankoppeln. Anbindungsmöglichkeiten an proprietäre ERP-Lösungen können individuell analysiert und umgesetzt werden. Nach dem initialen Aufsetzen des Systems hat MiG Zugriff auf die Daten der ERP. MiG arbeitet mit einem dynamischen Datenabgleich, d.h. es erfolgt eine kontinuierliche und automatische Aktualisierung der Daten in MiG in Bezug auf den aktuellen Datenbestand im ERP.

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Lieferübersicht (Quelle alle Bilder: Perzeptron)

MiG umfasst die Funktionen Liefer- und Fertigungsübersicht sowie Engpassbetrachtung und Bestandsoptimierung. Durch dieses Werkzeug wird eine gemeinsame Datenbasis für den Vertrieb, die Produktionsplanung, den Einkauf und die Geschäftsführung geschafft. „Dieses ist besonders wichtig, da die unterschiedlichsten Abteilungen in einem Unternehmen unterschiedliche Informationen benötigen, die aber alle auf Daten und Zahlen der Materialwirtschaft beruhen“, stellt Renner fest.

Auf Grund des integrierten Datenmanagements kann die Fertigungsoptimierung über den gesamten Produktionsprozess vernetzten durchgeführt werden. Da frühzeitige Engpässe erkannt werden, können die Durchlaufzeiten von Aufträgen verkürzt und die Lieferfähigkeit abgesichert werden. „Somit ist gewährleistet, dass der Kunde seine Ware rechtzeitig in der richtigen Quantität erhält. Wir erreichen damit, dass der kundenferne Prozess Materialwirtschaft auf den Kundenwunsch maximal ausgerichtet und beeinflusst wird“, schliesst Renner ab.

 

electronica 2016: Gemeinschaftsstand des Clusters für Mechatronik und Automation in Halle B1, Stand 538

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