Laser goes green: Effizientes Wertstoff-Recycling aus Elektronikgeräten

Seit 2015 erforschen neun Projektpartner aus vier Ländern in dem EU-Projekt „ADIR – Next generation urban mining – Automated disassembly, separation and recovery of valuable materials from electronic equipment“, wie sich automatisiert Elektronik zerlegen und Wertstoffe zurückgewinnen lassen. Am 17. Mai 2019 stellen die Projektpartner auf dem ADIR Demo-Day in Goslar wichtige Ergebnisse in Theorie und Praxis vor. Koordinator ist das Aachener Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT.

Im Recyclingprozess übernimmt der Laser das berührungslose Freilegen und Entlöten von Elektronik (Quelle: Fraunhofer ILT)

Ein Zauberwort macht die Runde: „Urban Mining“ ist eine neue Form des Bergbaus, der Sekundär-Rohstoffe aus Gebäuden, Infrastruktur oder Produkten zurückgewinnt. Besonders lohnend ließe sich diese ökologische Idee bei Elektronikgeräten in die Tat umsetzen. Dazu gilt es allerdings, Verfahren zu entwickeln, mit denen sich beispielsweise Mobiltelefone und Leiterplatinen prozesssicher, automatisiert und effizient in ihre Bestandteile zerlegen lassen, um daraus dann wertvolle Rohstoffe für die Wiederverwertung in neuer Elektronik zu bergen.

„Es entstanden in den letzten zwei Jahren Systeme, mit denen wir unsere Projektideen in die Tat umgesetzt haben“, erklärt Dr. Cord Fricke-Begemann, Projektleiter „ADIR“ und Leiter der Gruppe Materialanalytik am Fraunhofer ILT. Am 17. Mai findet dazu in Goslar eine zweigeteilte Veranstaltung für deutsche Interessenten und internationales Fachpublikum statt. Vormittags berichten ADIR-Partner einem vorwiegend lokalen Publikum im Logistikzentrum des Projektteilnehmers H.C. Starck GmbH über die Ergebnisse des EU-Projektes, nachmittags gibt es für internationales Fachpublikum englischsprachige Praxisvorführungen bei der örtlichen Electrocycling GmbH (ECG).

Der zertifizierte Spezialist für umweltbewusstes Elektro-Recycling erprobt seit 2018 die ADIR-Verfahren in Feldtests, um diese für den industriellen Einsatz zu validieren. Fricke-Begemann: „Wir führen mit Hilfe des Demonstrators vor, wie das laserbasierte Material-Recycling in der Praxis bei Mobiltelefonen und Computerplatinen funktioniert. Die ECG zeigt, dass sich mit den im Projekt ADIR entwickelten Technologien auch größere Mengen an wertvollen Materialien wie zum Beispiel Tantal aus Kondensatoren zurückgewinnen lassen“.

Das ADIR-Team orientiert sich an der sogenannten Inverse Production, die im Gegensatz zu sonst üblichen Schredder- und Pyrometallurgie-Verfahren auf einer Kombination von bewährten Prozessen und Automatisierung basiert. Die Projektpartner setzen auf automatisierbare flexible Prozesse, mit denen sich defekte und ungenutzte Elektronikgeräte automatisiert in ihre Einzelteile zerlegen lassen. In der automatisierten Demontageanlage kommt es zu einem cleveren Zusammenspiel von Lasertechnik, Robotik, Visionsystemen und Informationstechnologie. Eine wichtige Rolle spielen bei diesem Konzept Lasersysteme, die unter anderem Inhaltsstoffe in Echtzeit identifizieren und elektronische Bauelemente berührungslos freilegen und entlöten. Für das Verfahren spricht, dass sich mit ihm Wertstoffe mit hoher wirtschaftlicher Bedeutung im industriellen Maßstab effizient recyceln lassen. Fricke-Begemann: „Wir verringern mit ADIR die Ressourcenabhängigkeit der EU und kostenaufwändige Materialimporte.“

adir.eu

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